Vereinsgeschichte
ab 2008 bis 2020/2021


Die Geschichte des Marburger Stenografenvereins 1887 e. V. ab 2008

 

Im Vereinsleben 2008 gab es nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen. Neben den satzungsmäßigen Regularien wie Jahreshauptversammlung konnte der Verein mit seinem Sommerausflug nach Wiesbaden am 3. August einen Höhepunkt verbuchen. Alljährlich plante der Hessische Stenografenverband eine Städtereise, an der auch hessische Vereine teilnehmen konnten. Für 2008 war eine Reise in die hessische Landeshauptstadt organisiert. Und so wurde beschlossen, daran teilzunehmen. Die Bedingungen waren optimal, Anreise mit dem Zug, Fahrt mit der mit Wasserkraft betriebenen Bahn auf den Neroberg, Besichtigung der Russischen Kirche und als Abschluss Führung durch das ehemalige Stadtschloss, dem heutigen Landtagsgebäude. Für private Unternehmungen in der Innenstadt gab es auch noch genügend Zeit.

Zweiter Höhepunkt des Jahres war die Teilnahme am Hessentag am 14. Juni 2008 in Homberg/Efze, einem malerischen Fachwerkstädtchen wie Marburg. Der Verein nahm mit drei Mannschaften an den Wettbewerben teil. Die Marburger Stenografenmannschaft mit den Schreiberinnen Lydia Fülling, Rosemarie Berghöfer, Claudia Weber, Gudrun Kroll und Hiltrud Göbel erschrieben den 2. Platz, also Silber-Medaille!
Die Siegerehrung erfolgte am Sonntag durch Staatsminister Jürgen Banzer, der die Bedeutung der Stenografie in der heutigen Zeit noch einmal herausstellte.

Das traurige Ereignis des Jahres war das plötzliche Ableben von Martin Baum am 29. Mai im Alter von 82 Jahren. Baum gehörte zu den Urgesteinen des Vereins, er war 57 Jahre Vereinsmitglied. Die Vereinsarbeit interessierte ihn bis ins hohe Alter, bei Veranstaltungen vor Ort war er immer anwesend. Durch seinen Beruf als Immobilienmakler war er über Marburg bestens informiert und konnte seine dadurch erworbenen Kenntnisse in die Vereinsarbeit mit einbringen.
Am 24. November 2008 verstarb unser Ehrenmitglied Hilde Stork, die dem Verein ebenfalls über 50 Jahre angehörte. Sie wirkte als Unterrichtsleiterin und als Vorstandsmitglied sowohl im Verein als auch im Bezirk Mittelhessen mit großem Engagement.

Traditionell finden im Frühjahr jeden Jahres die Jahreshauptversammlungen statt, wie immer im Gasthaus Carle in Cappel. Bei diesen Veranstaltungen werden neben den jeweiligen Regularien die Veranstaltungen des laufenden Jahres besprochen und festgelegt. Außerdem stehen jedes Jahr Ehrungen auf der Tagesordnung. In 2009 wurden folgende Mitglieder für 25-jährige Mitgliedschaft durch die Vorsitzende Lydia Füllung mit Urkunde und Blumenstrauß ausgezeichnet: Manfred Herzog, Christa Lehmann, Monika Saßmannshausen und Anita Sell-Schöne. Für 2009 wurde ein Sommer- und ein Winterevent geplant. Beschlossen wurde für den Sommer der Besuch der Burg Greifenstein. An- und Abreise mit dem Zug, längerer beschwerlicher Fußmarsch zur Burg. Neben einer Führung durch die Burg sollte noch genügend Zeit im Burgcafé und Besichtigung der Außenanlagen bleiben. Die Teilnehmerzahl war dann auch überschaubar. Fazit: Es hat sich gelohnt.
Für das Wintertreffen gab es eine Einladung zu Erna Eidams Hoffest in Roth, das genau am Nikolaustag, dem 6. Dezember, stattfand. Diese Einladung wurde angenommen und es ging nach Roth, mit Bahn, Auto oder Fahrrad. Es war entsprechend der Jahreszeit ein kalter und ungemütlicher Tag (das Thermometer zeigte 8 Grad! Und es regnete ständig). Auf dem Hof war ein großes, aber gut beheiztes Zelt aufgebaut, Platz für alle. Bei gutem Essen aus dem Backofen und kalten und warmen Getränken war die Stimmung entsprechend locker. Die kleinen Teilnehmer waren besonders von den Tieren in den Ställen begeistert. Erst bei Einbruch der Dunkelheit löste sich die Gesellschaft auf und Stephan Senzig begleitete die Bahnfahrer über Feldwege zum Bahnhof Niederwalgern.

Zu den Highlights der letzten Jahre gehörte immer die Teilnahme an den Mannschaftsmeisterschaften anlässlich der Hessentage, bei denen die Marburger stets gute Erfolge erzielten. Zur Teilnahme lädt der Hessische Stenografenverband ein, es treffen sich dort Schreiberinnen und Schreiber aus ganz Hessen. In 2009 fand der Hessentag in Langenselbold statt, in der Nähe von Hanau. In jenem Jahr fehlte Marburg, denn es kamen nicht genügend Schreiber für Mannschaften zusammen.
Bei den Mannschaftsmeisterschaften anlässlich der späteren Hessentage war der Verein immer gut vertreten. Die Stenografen erreichten in Wetzlar 2012 den 3. Platz, 2014 in Bensheim den 2. Platz, in Hofgeismar 2015 und Herborn 2016 ebenfalls den 2. Platz, also Silber-Medaille. In Rüsselsheim 2017 und Korbach 2018 war es jeweils der 3. Platz, die Bronze-Medaille. 2019 in Bad Hersfeld war es wieder eine Silber-Medaille. Im gleichen Jahr stand auch die Computermannschaft mit der Disziplin Textbearbeitung erstmals auf dem Siegertreppchen mit der Bronze-Medaille.

Im Bezirk Mittelhessen gab es schon lange Probleme, es fehlte an den dazugehörenden Vereinen. Nachdem zuletzt der Verein Bad Nauheim mit dem Vorsitzenden Helmut Körner sich aufgelöst hatte, waren nur noch Gießen, Marburg und Biedenkopf übrig geblieben. Und so wurde beschlossen, dass Mittelhessen sich einem anderen Bezirk anschließen könnte. Um darüber abzustimmen, wurde eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen, zu der überraschenderweise Vertreter aus Biedenkopf erschienen, dagegen stimmten und so blieb alles beim Alten.
Streitpunkt war derzeit immer wieder die Ausrichtung der Bezirksmeisterschaften, da der Aufwand und die Organisation höher waren als die Schreiben überhaupt. Letztendlich waren es nur die der Vereine, die dafür infrage kamen. Und so blieb eine Entscheidung darüber erst einmal offen. Geeinigt wurde sich schließlich, dass die Bezirksmeisterschaften 2011 in Gießen und 2012 in Marburg stattfinden sollen. Das Jahr 2011 war das Jubiläumsjahr des Gießener Vereins, der sein 150-jähriges Bestehen feiern konnte, Marburg war dann im darauffolgenden Jahr der Ausrichter anlässlich des 125-jährigen Jubiläums.

Der Marburger Stenografenverein ist ein gemeinnütziger Verein, er fördert lt. Gesetz die "Volks- und Berufsbildung". Das bedeutet, dass für eingehende Spenden oder Mitgliedsbeiträge Spendenbescheinigungen ausgestellt werden dürfen. Die Gemeinnützigkeit muss alle drei Jahre bei den Finanzbehörden neu beantragt werden, und zwar unter Vorlage von Protokollen und der derzeit gültigen Satzung. Im Jahr 2010 musste die Satzung mit einigen geforderten Änderungen angepasst werden. Diese wurden in der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 12. Dezember im Café Klingelhöfer beschlossen und danach beim Amtsgericht eingetragen.

Bei den Planungen für einen Ausflug im Sommer und ein Treffen in der Weihnachtszeit musste immer generell bedacht werden, wie das vereinbarte Ziel für die Teilnehmer erreichbar ist. Für den Sommerausflug in 2010 war der Besuch der Landesgartenschau in Bad Nauheim am 26. Juni geplant. Mit Hessenticket, Bahn, Rücksackverpflegung für ein Picknick und vor allem schönem Wetter fuhr eine größere Gruppe Vereinsmitglieder zu Hessens größtem Gartenfestival, das sich über den Kurpark und angrenzenden Goldsteinpark erstreckte. In kleinen Grüppchen ging es durch das Gelände. Die Farbe Blau beherrschte die Ausstellung, insbesondere bei den Pflanzen und beim Ausgang bei einer blauen Schafherde. Anziehungspunkt war der "Elvis"-Garten, gewidmet dem King of Rock'n Roll, dort ertönten Elvis-Songs.
Im Jahr darauf, also 2011, ging es in den Norden Hessens. Ziel war die Sababurg mit dem dazugehörenden Tierpark mit einer Greifvogelschau im Regen. In den darauffolgenden Jahren waren die Ziele meist mit dem Zug und anschließender Wanderung geplant, wie zum Beispiel die Fahrt nach Homberg/Ohm mit Wanderung durch das Schächerbachtal oder durch das Salzbödetal mit Endziel Restaurant Schönemühle. Andere Sommerausflüge führten zum Bergpark Kassel, nach Korbach und Biedenkopf und das letzte Sommertreffen war ein gemeinsames Kaffeetrinken am Spiegelslustturm. Dann ging nichts mehr wegen der Corona-Pandemie.
Zum Jahresabschluss, in späteren Jahren zum Jahresbeginn trafen sich die Mitglieder zum Brunch in verschiedenen Gaststätten Marburgs.
(Ausführliche Berichte siehe "Vereinsleben")


Ein Jubiläumsjahr feierten die Marburger Stenografen in 2012, der Verein wurde 125 Jahre alt. Die Festveranstaltung fand am 1. Juni im Saal des Restaurants Carle in Marburg-Cappel statt. Eingeladen waren neben den Vereinsmitgliedern zahlreiche Ehrengäste, darunter die Präsidentin des Deutschen Stenografenbundes Hannelore Schindelasch, der Vorsitzende des Hessischen Stenografenverbandes Stephan Senzig, Vertreter aus dem Bezirk und Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel.
In der Begrüßungsrede der Vorsitzenden Lydia Fülling gab sie einen Abriss über die Vereinsgeschichte und betonte auch den Kontakt zu dem Verein in Eisenach. Sie dankte Oberbürgermeister Vaupel für die unkomplizierte Überlassung von Schulräumen zu Unterrichtszwecken und den jeweiligen Wettbewerben.
Im Anschluss an die Grußworte fanden Ehrungen für langjährige Treue zum Verein statt. Lydia Fülling und Rosemarie Berghöfer wurden für über 35 Jahre ehrenamtliche Vorstandsarbeit mit dem Silbernen Treueabzeichen des Deutschen Stenografenbundes ausgezeichnet.
Die Feierlichkeiten endeten mit einem gemeinsamen Abendessen und einer Foto-Show über die Vereinsgeschichte.

Es ist üblich, dass Vereine im Jubiläumsjahr Wettschreiben ausrichten. So fanden im Frühjahr 2012 außer den Bezirksmeisterschaften auch die Deutschen Seniorenmeisterschaften in Marburg statt.
Bei überregionalen Wettbewerben beteiligten sich die Spitzenschreiber des Vereins an Meisterschaften in Stenografie und Fertigkeiten auf dem Computer, nicht nur als Mannschaft anlässlich der Hessentage, sondern auch bei den Hessischen Einzelmeisterschaften, den deutschlandweit durchgeführten Seniorenmeisterschaften sowie den Deutschen Meisterschaften oder dem Pokalschreiben. Bei den Deutschen Meisterschaften war der Verein durch die Schreiberinnen Claudia Lingelbach und Lydia Fülling erfolgreich vertreten.
(Ausführliche Berichte siehe "Wettbewerbe")

Seit geraumer Zeit war zu beobachten, dass die Anmeldungen für Kurse rückläufig waren. Immer wieder wurde in der Oberhessischen Presse und durch Elternbriefe, die in den Schulen verteilt wurden, auf das Kursangebot hingewiesen, leider ohne den gewünschten Erfolg. Sei es auf Kurse in Stenografie oder am Computer mit "Fit auf der Tastatur".
Erstaunlich und erfreulich war dann, dass sich für ein Stenografie-Fortbildungsseminar vom 25. bis 27. November 2016 in Marburg 30 Teilnehmer aus verschiedenen Städten Deutschlands anmeldeten. Zu diesem Seminar hatte Hans Treschwig eingeladen, ein Könner und Kenner in Sachen Stenografie. Auch Vereinsmitglieder aus Marburg nahmen daran teil, um etwas zu lernen. Die Veranstaltung fand in den Räumen der Volkshochschule statt. Tagsüber wurden die Teilnehmer mit selbstgebackenem Kuchen sowie kalten und warmen Getränken versorgt.
An jenem Wochenende fand in Marburg das Festival "Marburg b(u)y night" statt. Außerdem war die Innenstadt weihnachtlich illuminiert, so dass die Teilnehmer neben der Arbeit auch etwas Marburger Flair erlebten und schöne Eindrücke mit auf die Heimreise nehmen konnten.

Nach langer schwerer Krankheit verstarb am 25. April 2017 Stephan Senzig, er wurde 72 Jahre alt, wohnte in Bad Camberg im Taunus. Viele Jahre war er treues Mitglied des Marburger Stenografenvereins. Bei den Veranstaltungen des Vereins war er präsent, besonders die Jahreshauptversammlungen leitete er souverän. Er war immer ein gern gesehener Gast.
Jahrzehntelang war er Vorsitzender des Hessischen Stenografenverbandes und in vielen hessischen Vereinen auch Mitglied. Er lebte für die Stenografie, organisierte nicht nur Wettbewerbe, sondern auch die jährlichen Städtereisen.
Mit ihm haben die hessischen Stenografen eine Persönlichkeit verloren.

2019 hatte der Marburger Stenografenverein 68 Mitglieder. Besonders die älteren Mitglieder halten dem Verein seit mehr als 50 bzw. 60 Jahre und länger die Treue. Damals in den 50er Jahren wurden Kurzschrift und Maschinenschreiben für den Beruf benötigt, und über die Kurse des Vereins konnten Leistungen verbessert werden. Die Teilnehmer mussten Vereinsmitglied werden und sind es zum Teil bis heute noch. Für diese jahrzehntelange Vereinszugehörigkeit wurden sie im Laufe der letzten Jahre anlässlich der Jahreshauptversammlungen oder bei entsprechenden Veranstaltungen mit Ehrenbriefen und Goldener Nadel ausgezeichnet. Besonders hervorzuheben sind die 80-jährigen Mitgliedschaften von Gertrud Kurtz und Florian Nieslony.

Der Vorstand des Vereins setzt sich aktuell wie folgt zusammen: Lydia Fülling (1. Vorsitzende), Claudia Lingelbach (2. Vorsitzende), Karin Lehmann (1. Schriftführerin), Sandra Koniecny (2. Schriftführerin), Rosemarie Berghöfer (1.Kassiererin), Dagmar Damm (2. Kassiererin), Daniela Willstumpf (Jugendvertreterin), Anita Haustein und Deanny Beyer als Beisitzerinnen.

Und dann im Frühjahr 2020 kam Corona und das ganze Leben in der Welt brach zusammen, so auch das Vereinsleben. Nichts ging mehr, keine Jahreshauptversammlung, keine Wettschreiben, keine Kurse. Die Schulen wurden teilweise geschlossen. Auch Vereinstreffen im Sommer oder ein Event zum Jahreswechsel fielen pandemiebedingt aus.

Ende des Jahres 2021 trennte sich der Verein von seinen fünf noch vorhandenen alten mechanischen Schreibmaschinen, die bis dahin untergestellt waren. Es waren die sogenannten "Schätzchen" des Vereins, die jetzt im Schreibmaschinenmuseum in Treysa als Dauerleihgabe stehen. Dazu gehört die kleine Kofferschreibmaschine "Erika" mit doppelter Umschaltung aus dem Jahr 1910 und die erste Vereinsschreibmaschine "Urania 7" von 1928 sowie eine "Triumph", die auch aus den 1930er-Jahren stammt. Außerdem eine "Adler", das letzte Exemplar aus dem Unterrichtsraum auf der Ketzerbach. Auf diesen mechanischen Schreibmaschinen wurde in den 1950er-Jahren Maschinenschreiben unterrichtet.


Rosemarie Berghöfer